Rote Wand | Drei Tage, vier Spiele, fünf Stadien – unterwegs als Groundhopper
- FCL
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Bild: FC Lichtenfels
Thomas Weber aus Mittelhessen reist zu Fußballplätzen in ganz Deutschland und weltweit. An einem Wochenende führt er den Autor (Rüdiger Dittrich) durch Thüringen und Oberfranken – von einer 25.000-Zuschauer-Naturtribüne im Thüringer Wald bis zu einem Alien-Stadion im Forst.
Lichtenfels, Oberfranken, rund 20 000 Einwohner, bekannt als Korbmacherstadt, was an den über den Straßen hochgezogenen und an Drähten befestigten Körben – der Wink mit dem Zaunpfahl – zu erkennen ist. Ganz nett hier, historisches Gemäuer in sanfthügeliger oberfränkischer Landschaft, Gruppen mit Radfahrern, die am Marktplatz Halt machen, Nürnberger Bratwürschte auf der Speisekarte, dazu ein Helles, interessanter Tonfall, als würde man Lothar Matthäus treffen, viele nette und zugewandte Leute. Die sich wundern, was man denn da macht. Als Hesse.
Dann steht man plötzlich in der Schützenstraße, zwischen zwei unscheinbaren Wohnhäusern, vor einem flachen Zweckbau mit einem wuchtigen Schild oben drüber, darauf in großen Buchstaben, Blau auf Weiß: Karl-Fleschutz-Stadion. Hier ein Stadion? Mitten in der Wohnbebauung, wo soll das sein und wie soll das aussehen? Man folgt Thomas Weber, Stadiontrüffelschwein aus Mittelhessen, durch den verwaisten Eingang, und dann … – fühlt man sich wie Alice im Wunderland. Als sei man dem weißen Kaninchen in seinen Bau gefolgt, umfängt einen gleichsam eine architektonische Sensation. Es öffnet sich weit ein Rasenplatz, Tribünen links und rechts, eine mit einem Fußballgemälde verzierte, wuchtige Fassade, 5000 Zuschauer fasst es und dahinter noch zwei Kunstrasenplätze, die sich in der unverhofften Weite anschließen. Als habe man eine ganze Welt in einen Schuhkarton gepackt – wie passt das nur hier rein?
Thomas Weber, Angestellter bei der Stadt Gießen, in den Außenstellen Rödgen, Allendorf/Lahn und Lützellinden u.a. für Passangelegenheiten zuständig, ist Fußballfan und Groundhopper. Er nimmt mich mit, dieses eine Mal – zum Glück. Zweieinhalb Tage sind wir unterwegs: in Thüringen und Oberfranken. Im Karl-Fleschutz-Stadion empfängt an diesem Samstagnachmittag der 1. FC Lichtenfels den TSV Mönchröden 2, Bezirksliga Oberfranken West. 1:0 wird es vor 320 Zuschauern enden, zugegeben, das muss man wollen, auch weil – „Lichtenfels, Lichtenfels“ – eine ohne Unterlass die Pauke rührende überschaubare Fangruppierung der Alice-im-Wunderland-Welt ihren gehörschädigenden Stempel aufdrückt. Aber dieses Stadion hier, erinnernd an die höherklassigen Zeiten, ehrlich, das ist der Hammer. [...]
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Copyright: Rüdiger Dittrich, Gießener Anzeiger vom 15.08.2026




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